Was uns diese Partnerschaft mit Gemeinden aus dem Kongo bedeutet

Die Delegation von 2013
Die Delegation von 2013

„Eine Kirchenkreis-Partnerschaft ist kein Entwicklungshilfe-Projekt, sondern die Begegnung im Gottesdienst und Gebet ist von großer Bedeutung.
Die Gäste werden den Alltag unserer Gemeinden kennen lernen“, freute sich Superintendent Frank Weber anlässlich des letzten Besuches 2014. „Im Gespräch, beim gemeinsamen Essen und Singen erleben wir, wie der Glaube an Jesus Christus unter ganz unter-schiedlichen Lebensbedingungen Gestalt gewinnt – in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt und im Équateur, einer der ärmsten Regionen", so Frank Wächtershäuser, Vorsitzender des Fachausschusses Kongo im Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann.

Interview mit Frank Wächtershäuser

Interview mit Frank Wächtershäuser, Pfarrer der Kirchengemeinde Lintorf-Angermund, Vorsitzender des Fachausschusses Kongo, Gesamtleitung- und Verantwortung des Kongobesuchs 2014


Eigentlich haben wir die Delegation schon 2013 erwartet
Das stimmt. Mehr als 40 Tage warteten unsere Gästen in Kinshasa auf die Erteilung der Besuchervisa durch das Schengenhaus. Dann kehrten sie unverrichteter Dinge in ihre Urwalddörfer zurück. Die Ablehnungsgründe durch die belgischen Behörden riefen damals viel Empörung hervor. Es gab viele Nachfragen und Einsprüche beim Auswärtigen Amt in Berlin und die Staatsministerin Cornelia Pieper sicherte uns die Unterstützung ihres Ministeriums zu, um die Wiederholung eines solchen Debakels zu verhindern.


Es gab aber eine erneute Einladung?
In der Tat! Die Kreissynode und die Gemeinden ließen sich durch diese Ablehnung nicht einschüchtern. Auch die geplanten Partnerschaftsgottesdienste fanden alle statt. Wir bekamen viel Rückenwind.


Wie schätzen Sie die Visa-Frage in diesem Jahr ein?
Wir haben einen guten Kontakt zur Deutschen Botschaft in Kinshasa aufgebaut. Eigentlich hätte ich erwartet, dass ich Ihnen jetzt schon sagen könnte, dass die Visa erteilt seien. Wir haben dennoch Grund zur Zuversicht, dass am Donnerstag beim Abflug in Kinshasa alle an Bord sein werden.


Seit 1985 besteht eine Partnerschaft zu den Kirchenkreisen im Kongo. Was bedeutet das Wort „Partnerschaft“ für Sie?
Alle fünf Jahre schließen wir einen Partnerschaftsvertrag ab. Darin steht: wir tauschen uns aus über den Glauben und über die Probleme vor Ort und unterstützen uns gegenseitig.


Welche Probleme gibt es im Kongo?
Es gab lange Jahre einen Bürgerkrieg, es gibt immer wieder Rebellenaufstände. Seit April wird das Land von über 70.000 Flüchtlingen überschwemmt, die aus dem Nachbarland Kongo-Brazzaville ausgewiesen wurden. In der Region Ingende gibt es so gut wie keine öffentliche Infrastruktur wie Telefon, Straßen, Schulen, Krankenhäuser, Stromversorgung, Arbeitsplätze. Es ist ein Leben fast ohne Geld – für uns ganz unvorstellbar.

 

Wie gestaltet man eine solche Partnerschaft?
Wir versuchen, den Menschen dort seit fast dreißig Jahren die Treue zu halten. Wir unterstützen sie, wenn sie einfache Schulen betreiben. Wenn sie Pygmäenkindern den Schulbesuch ermöglichen wollen. Wenn sie ganz einfache Gesundheitsstationen betreiben. Das sind Hoffnungszeichen. Aber wir wissen aus vielen Briefen, wie viel das den Menschen dort bedeutet.

 

Was haben die Gemeinden hier von der Partnerschaft?
Die Kirche Jesu Christi ist eine weltweite Kirche. Wer über den eigenen Kirchturm nicht hinausblickt, der verwechselt diesen großartigen Glauben mit dem, was hier am Stadtrand von Düsseldorf geschieht. Wir wissen sehr wenig über den Mut und die Hoffnungen, mit denen die meisten Menschen auf dieser Welt leben. Wir wollen etwas darüber lernen. Ich freue mich und bin sehr gespannt darauf.

 

Wie soll das praktisch geschehen?
Wir haben sechs Personen eingeladen. Wir hoffen, dass sie am Samstag wohlbehalten auf dem Düsseldorfer Flughafen ankommen. Drei von ihnen werden für 23 Tage in Ratingen in Privatfamilien wohnen: Pfarrer Victor Lokongo, Petrus Ngondji und Beatrice Ntalanga. Wir nehmen uns Zeit füreinander. Wissen Sie, wie schwierig es ist, miteinander zu kommunizieren, wenn der nächste Internetanschluss mehr als 30 km Flussstrecke entfernt ist? Wie können wir miteinander sprechen und unsere Freundschaft erneuern? Wir feiern Partnerschaftsgottesdienste in allen evangelischen Kirchen in Ratingen. Wir haben Begegnungen mit Jungen und Alten, in Kindergärten und Seniorentreffs in unseren Gemeinden verabredet. Die Gäste sollen aber auch Einblick in die Arbeitswelt und in die sozialen Nöte hier bei uns bekommen und unser Leben hier kennenlernen.